Donnerstag, 20. April 2017

Persönlich vernichten - der Umgang deutscher Mainstream-Medien mit den Vertretern oppositioneller Meinungen


 Die Meldung in der ZDF-Sendung „heute“ am Donnerstag, den 13.04. um 12:00 Uhr war kurz und knapp:
Russland hat mit seinem Veto im UN-Sicherheitsrat erneut eine Resolution zu dem Giftgasangriff in Syrien verhindert. Diese sah vor, die Attacke zu verurteilen und die Syrische Regierung aufzufordern mit internationalen Ermittlern zusammen zu arbeiten. Es ist bereits das achte Mal, dass Moskau eine Syrien-Resulotion blockiert. Die Russische Regierung ist ein enger Verbündeter des syrischen Präsidenten Assad.“
 Diese Art der selektiven Berichterstattung ist mittlerweile zum Standard des deutschen Mainstream geworden. Berichtet wird nicht vollständig und umfänglich sondern nur das, was in die eigene politische Agenda passt. Bereits im zweiten Satz wird postuliert, die von den USA, Frankreich, Großbritannien eingebrachte Resolution verurteile allgemeine die Giftgasattacke.

  Das ist zwar nicht falsch, nur verschweigt das ZDF, dass die Resolution explizit Syrien als Schuldigen für den Einsatz von Sarin verantwortlich macht. Was nach dem jetzigen Erkenntnisstand nicht bewiesen ist. Würde die Resolution in der eingereichten Form beschlossen, so wäre ein Schuldiger bereits benannt und die Richtung der beantragten Untersuchung würde insofern vorbestimmt, als dass ausschliesslich Beweise für die Urheberschaft Syriens gesucht würden. Das ist so als würde jemand wegen Mordes festgenommen und die Polizei bekäme den Auftrag nun, und zwar ausschliesslich, nach den Bewiesen für die Täterschaft des Festgenommenen suchen.

  Mit der Forderung an Syrien, alle Flugpläne offen zu legen, alle Personen zu benennen, die dazu in der Lage sind, die Flugzeuge der syrischen Armee fliegen, die an der Vorbereitung, der Durchführung und der Anordnung von Einsätzen der syrischen Luftwaffe beteiligt sind und der Untersuchungskommission Zugang zu allen syrischen Militärbasen zu gewähren, werden Bedingungen gestellt, die für keinen Staat der Welt annehmbar sind. Eine Zustimmung zu diesen Forderungen würde die Aufgabe jeglicher Souveränität des syrischen Staates bedeuten.

  Aber es war auch wohl nicht Sinn und Zweck des Resolutionsentwurfes, wirklich an der Aufklärung des Giftgasvorfalles mitzuarbeiten. Vielmehr sollte der schwarze Peter aus Propagandazwecken Syrien und Russland zugeschoben werden. Das ZDF bedient diesen Plan mit seiner Meldung auf das Vortrefflichste. Dazu dient dann auch der Satz:
Es ist bereits das achte Mal, dass Moskau eine Syrien-Resulotion blockiert.“
  Völlig undifferenziert werden einfach alle Vetos, die Russland im Laufe des Syrienkonflikts im UN-Sicherheitsrat eingelegt hat summiert. Dass es dabei um völlig unterschiedliche Themen ging scheint dem öffentlich-rechtlichen Sender nicht erwähnenswert.Dabei unterliegt der Sender den Bestimmungen des ZDF-Staatsvertrages, der in seinem § 6 Absatz 1, klipp und klar regelt:
Die Berichterstattung soll umfassend, wahrheitsgetreu und sachlich sein. Herkunft und Inhalt der zur Veröffentlichung bestimmten Berichte sind sorgfältig zu prüfen.“
  Niemand kommt beim ZDF auf die Idee die Dutzende von Vetos, die die diversen Botschafterinnen der USA bei den Vereinten Nationen im Weltsicherheitsrat in den letzten Jahren eingelegt haben wenn es um Israel und die Frage der Palästinenser ging, einfach nur zusammenzuzählen und daraus einen Vorwurf gegen die USA zu formulieren.

  So war mit den ersten Resolutionsentwürfen zum Syrienkonflikt ab 2011 der Versuch verbunden, den Weltsicherheitsrat als ein Instrument der Kriegsführung in Syrien zu missbrauchen. Der Westen versuchte mehrfach eine Flugverbotszone in in dem Land einzurichten, ähnlich wie in Libyen. Damals hatte der Westen Russland und China mit dem Argument, man wolle die Zivilbevölkerung vor der Luftwaffe Gaddafis schützen, zu einer Stimmenthaltung im Sicherheitsrat bewogen.

 Kaum war die Resolution verabschiedet, bombte der Westen selbst fröhlich drauflos und verkündete frank und frei es gehe nicht im geringsten um den Schutz der Bevölkerung sondern einzig und allein darum, Gaddafi zu beseitigen und der eigenen Klientel in Libyen an die Macht zu verhelfen. Russland und China haben aus diesem Vorfall ihre Konsequenzen gezogen und nutzen seitdem die Möglichkeit, durch ihr Veto, dem Westen der Möglichkeit zu berauben, die UN als ein Instrument seiner eigenen Kriegsführung zu missbrauchen.

  In den deutschen Mainstream-Medien besteht offensichtlich kein Interesse, die Menschen umfassend zu informieren. Sie berichten und kommentieren nur in eine ganz bestimmte Richtung. Dabei scheint ihnen auch die Wahl ihrer Mittel vollkommen egal zu sein. Wer nicht spurt, wer eine andere Meinung vertritt, wer auf Fakten hinweist, die dieser Richtung widersprechen, der wird gnadenlos niedergemacht.

  Wie mit Leuten umgegangen wird, die dem Mainstream widersprechen und sei es nur indem sie darauf hinweisen, dass die Schuld an dem Konflikt in Syrien nicht nur auf einer Seite zu suchen ist, musste der Nahostexperte Michael Lüders erfahren. Zunächst wurde ihm vorgeworfen, er habe in der Sendung „Marcus Lanz“ vom 05. April, den türkischen Journalisten Can Dündar dazu missbraucht, die Öffentlichkeit darüber zu täuschen wer für den Giftgasangriff am 31. August 2013 verantwortlich sei. Der Deutschlandfunk schreibt auf seiner Internetseite:
Er (Lüders) führte aus, dass schon 2013 bei einem Giftgasangriff in Ghouta, östlich von Damaskus, mit vermutlich mehreren Hundert Toten Gas verwendet worden sei, das der türkische Geheimdienst an die Nusra-Front, den Al-Qaida-Ableger in Syrien, geliefert habe.“
Der Deutschlandfunk fährt fort indem er Lüders wörtlich zitiert:
Mittlerweile wissen wir, dass es mit einer sehr großen Wahrscheinlichkeit nicht das Regime war, das für diesen Giftgasangriff verantwortlich war.“
  Wohlweislich zitiert der DLF nur diesen einen Satz Lüders wortgenau. Danach werden Lüders die Worte vom Sender in den Mund gelegt:
Die ersten, die darüber berichtet hätten, seien türkische Journalisten gewesen, darunter Can Dündar, der im Anschluss wegen seiner Berichte über die Waffenlieferungen der Türkei nach Syrien habe fliehen müssen“,
habe Lüders angeblich gesagt, behauptet der Deutschlandfunk. Sieht man sich die Aufzeichnung der Sendung noch einmal an, so stellt man fest, dass Lüders im Zusammenhang mit Can Dündar von Waffenlieferungen im allgemeinen spricht, die die Türkei an die Al-Nusra geleistet hat. Zwar sagt er zunächst:
Wir wissen, dass die Türkei die Nusra-Front und andere Gruppierungen mit Saringas ausgestattet hat und sie stellen Saringas selber her.Und die ersten die darüber berichtet haben waren türkische Journalisten, darunter auch Can Dündar: Der musste fliehen vor Erdogan und lebt jetzt in Deutschland im Exil. Der war Chefredakteur der Zeitschrift Cumhüyriet.“
Als Lanz dann einwirft:
Der hat darüber berichtet, das stimmt“,
scheint Lüders seinen Fehler zu bemerken und berichtigt sich:
Der (Can Dündar) hat darüber berichtet, diese Waffenlieferung der syrischen - der türkischen Geheimdienste - des türkischen Geheimdienstes in Richtung Nusra-Front und anderer und daraufhin hat Erdogan persönlich Anklage gegen ihn erhoben wegen Hochverrat.“
Er benutzt hier ausdrücklich das Wort „Waffenlieferung“.

  Dass Lüders die Waffenlieferungen der Türkei an die Dschihadisten meint, zeigt auch ein Blick in sein Buch „Die den Sturm ernten – Wie der Westen Syrien ins Chaos stürzte“. Beginnend auf Seite 113 schreibt Lüders:
Türkische Journalisten, die über diese Waffenlieferungen berichten, riskieren ihre Verhaftung und ein Verfahren wegen Landesverrats. Am bekanntesten ist der Fall des ehemaligen Chefredakteurs von «Cumhuriyet», Can Dündar. Nachdem er 2015 geheime Dokumente über türkische Waffenlieferungen an syrische Dschihadisten veröffentlicht hatte, erstattete Erdogan persönlich Anzeige gegen ihn. Er wurde zu fast sechs Jahren Gefängnis verurteilt, das Urteil im Berufungsverfahren aber zurückverwiesen an die erste Instanz. Ihn erwartet nunmehr eine lebenslange Freiheitsstrafe. Kurz vor dem gescheiterten Militärputsch im Juli 2016 hat sich Dündar nach Deutschland abgesetzt.“
  Das hilft ihm allerdings wenig. Die Meute hat Blut gerochen und fällt über ihn her. Nicht nur der Deutschlandfunk schenkt sich diese, Lüders, Korrektur. Auch der privat finanzierte Zensor „Correctiv“ lässt die Berichtigung einfach weg:
Unsere Bewertung: Die Behauptung ist Falsch“,
und gibt auf der Pinocchio-Nasenlängen-Skala eine drei von möglichen fünf Nasenlängen-Wertungen.

 Da wundert es wenig, dass „Correctiv“ auch seinen Bündnispartner in Sachen Zensur, die Faktenfinder der ARD-Tagesschau in den Zeugenstand ruft. Die These, dass wahrscheinlich nicht die Syrische Regierung für den Giftgaseinsatz von 2013 verantwortlich sei, sei nicht nur umstritten sondern sogar
„allerhöchst umstritten und wurde inzwischen mehrfach ausführlich untersucht, unter anderem von den 'Faktenfindern' der 'Tagesschau'.“
 Dabei nimmt es „Correctiv“ selbst nicht so genau mit der Wahrheit. Über dem Artikel in dem Lüders der angeblichen Lüge bezichtigt wird, prangt in der ganzen Breite der Seite ein Bild aus einem Krankenhauszimmer eines, offensichtlich unterirdischem, Krankenhauses mit der Bildunterschrift:
Bei dem Giftgasangriff in Khan Shaykhun wurde ein Krankenhaus zerstört.“
 Das ist offensichtlich falsch.

 Der Spiegel hat sich sehr viel Zeit genommen um die Vermutung, das Giftgas in Khan Shaykhun sei durch einen Bombentreffer auf ein Giftgaslager der Kopfabschneider freigesetzt worden, zu belegen:
Um 6.30 Uhr Ortszeit meldeten Augenzeugen aus der Stadt Luftangriffe. Um 7.59 Uhr veröffentlichte der lokale Reporter Mohammed Sallum al-Abd auf YouTube ein Video, das die Attacke zeigt. Zu sehen sind mehrere große Rauchsäulen und eine kleinere, etwas abseits. Im Titel des Videos schreibt Abt, dass bei dem Angriff "Giftbomben" eingesetzt worden seien.
...Trotz dieser Faktenlage präsentiert Russland eine ganz andere Version: Demnach habe die syrische Luftwaffe "zwischen 11.30 und 12.30 Uhr einen Angriff im Raum des östlichen Randes der Ortschaft Khan Shaykhun auf ein großes Depot mit Munition und Militärgerät der Terroristen ausgeführt. Ort und Zeit, die das russische Verteidigungsministerium nannte, passen eher zu einer zweiten Angriffswelle am vergangenen Dienstag.“
Der Spiegel legt sich fest:
Zur Mittagszeit bombardierten Kampfjets das Krankenhaus und das Zentrum des Zivilschutzes.“
Nicht nur die Zeit passt nicht, auch der Ort ist falsch. Der Spiegel:
Russland spricht davon, der Angriff auf die angebliche Chemiewaffenwerkstatt sei am östlichen Stadtrand von Khan Shaykhun erfolgt. Die Menschen, die durch den Giftgaseinsatz ums Leben kamen, lebten jedoch am nördlichen Stadtrand.“
 Was also stimmt? Präsentiert „Der Spiegel“ echte Fakten oder sind seine Angaben gelogen und somit „Fake-News“, oder lügt die von dem US-Milliardär Georges Soros bezahlte deutsche Wahrheitspolizei „Correctiv“?
Unsere Bewertung: Einer lügt.
Auf alle Fälle aber eine fünf auf der Pinocchio-Nasenlängen-Skala.

 Am 09. April arbeitete sich dann Anne Will in der gleichnamigen Talkshow an dem armen Lüders ab. Das ARD-Urgestein Will, die nach langen Jahren im Dienst des öffentlich-rechtlichen Fernsehens genau weiß wie der Hase zu laufen hat, wie man auch mit miserabler Quote gut überleben kann. Will weiß was die Damen und Herren der Gremien der ARD, bestehend aus Parteipolitikern, Verbandsoberen und Vertretern der Kirchen und der Wirtschaft, gern in "ihren" Sendern hören und sehen wollen - und das liefert sie.

  Und die wollen nicht diskutieren. Sie sagen wo es lang geht, was richtig und was falsch ist, was die Wahrheit und was Fake-News sind. Seit Jahren bestimmen sie in welche Richtung die Welt sich dreht. Wer da nicht mitspielt, der wird niedergemacht, der wird persönlich vernichtet. Die heilige Inquisition lässt grüssen.

  Und so hält sich Anne Will bei der Vorstellung Lüders auch erst gar nicht bei seinen Thesen und seinen Meinungen auf. Sie geht ihn persönlich an, bezweifelt seine lautere Absicht, unterstellt ihm Eigennutz, wirtschaftliche Gründe für seine Sicht auf Syrien und nimmt ihm, noch bevor er auch nur ein Wort gesagt hat, damit jede Glaubwürdigkeit:
Herr Lüders, bevor wir das diskutieren, ob sie mitgehen, oder sie alle mitgehen bei der Analyse von Herrn Wolfssohn und bei der von Herrn Kornblum, dass ein solcher Plan auch was frei brechen kann, möchte ich sie erst nochmal vorstellen: Wir haben sie heute bewusst nicht als einen neutralen Nahostexperten vorgestellt, sondern als Autor und als Politik- und Wirtschaftsberater. Sie sind, muss man sagen und erklären ein Geschäftsmann, der sein Wissen an Firmen verkauft, die im Nahen- und Mittleren Osten ihre Geschäfte machen wollen. Spielt für ihre wirtschaftlichen Interessen - oder spielen ihre wirtschaftlichen Interessen da 'ne Rolle wenn sie sagen oder behaupten, dass es der Westen sei, der Syrien ins Chaos gestürzt hat?“
Lüders versucht sich zu wehren:
Also ich würde gern auf der sachlichen Ebene analysieren wollen und…“
  Anne Will lässt ihn erst gar nicht zu Wort kommen, unterbricht ihn rüde, weist ihn zurecht wie eine Oberlehrerin:
Das war ja ganz sachlich.“
Lüders versucht krampfhaft seinen Gedanken zu Ende bringen:
„…und darauf abzielen wollen, dass ich vor allen Dingen als Autor und Nahostexperte bestimmte Analysen geleistet habe über die Region, die in sofern sicherlich nicht mainstream-konform sind, als sie eben doch, gerade was Syrien anbelangt, ein bisschen in eine andere Richtung gehen. Ich glaube, dass...“
  Wieder unterbricht Will ihn, beharrt darauf den Mann zu Kreuze kriechen zu sehen. Er soll widerrufen, öffentlich vor Millionen Zuschauern bekennen, dass sein Handeln unredlich ist:
Kurz noch einmal nachgefragt: Es war nicht falsch, was ich gesagt hatte, ne? Weil sie sagen, wir wollen sachlich bleiben.“
  Ab jetzt ist der Mann gebrandmarkt als Geschaftlhuber, als Verschwörungstheoretiker, als einer, der die Wahrheit für schnöden Mammon verkauft. Will hat ihr Ziel erreicht: Lüders kann ab jetzt sagen was er will, man wird ihm nicht glauben. Eine wichtige, eine kritische Stimme ist aus der Diskussion genommen.

  An der Diskussion nahmen neben Michael Lüders auch der Historiker Prof. Dr. Michael Wolfssohn und der ehemalige Botschafter der USA in Deutschland, John Kornblum teil. Auf der Internetseite der Sendung werden die Gäste vorgestellt. Bei Wolfssohn steht dort unter anderem, dieser sei:
vorwiegend als Publizist tätig und schreibt eine Kolumne für die 'Bild'-Zeitung und das 'Handelsblatt' “
und Kornblum sei:
Deutschland-Chef der internationalen Investment Bank Lazard. Derzeit ist Kornblum als Berater für eine Wirtschaftskanzlei tätig.“
  Vergessen dabei wurde Wolfsohns Kolumne bei „Focus“ und neben seinen zahllosen Buchveröffentlichungen auch seine rege Tätigkeiten bei  öffentlich-rechtlichen und privaten Fernseh- und Rundfunksendern. Ein kleiner, keinewegs vollständiger Auszug:

  Bei Anne Will war er vor der Sendung am 09. April, bereits am 22. Januar 2017 zu Gast, bei Maischberger am 15. Februar 1017, beim ZDF in der Sendung „Peter Hahne“ am 27. Februar 2017, im Deutschlandfunk am 12. Januar im Gespräch mit Andreas Main, auf dem Radiosender MDR bei „MDR aktuell“, auf „SWR 2“ am 16. Januar 2017, bei „3sat Kulturzeit“ bei „ NDR Kultur“ am 20. Dezember 2016, auf dem Radiosender „hr2 Kultur“ am 08. Dezember 2016 oder den privaten Radiosendern wie beispielsweise in der Sendung „Koschwitz am Wochenende“ am 17. Februar auf „Antenne 1“ (Baden-Württemberg), „105,5 Spreeradio“ (Berlin, Brandenburg), „Radio Brocken“ (Sachsen-Anhalt), „Radio Nordseewelle“ (Ostfriesland), „Antenne Landau“ und „Antenne Pfalz“ (Rheinland-Pfalz) sowie „RTL Deutschlands Hitradio“ (Saarland).
Unterschlagen wurde auch Wolfsohns Tätigkeit im Beirat Ost der „Deutschen Bank“.

  Wolfsohn sieht seine Tätigkeiten durchaus in einem professionellen Licht. So lässt er sich durch die Agentur „Perfect Game Communications“ aus München beraten. Als Referenzen führt die Agentur neben Wolfssohn den ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber, Unternehmen aus dem Finanz- und Anlagemarkt wie Astorius Capital, BC Partners, General Atlantic, Solution AG, aus dem Bereich Sport und Sportvermarktung wie DFL Deutsche Fußball Liga, DFL Sports Enterprises, den Boxveranstalter Sauerland Events, den Sportwettenanbieter ODDSET, die Topps Deutschland GmbH, den offiziellen Lizenznehmer der Deutschen Fußball Liga  und aus dem Pharma und Healthcare Bereich Firmen wie Aenova, Deutsches Beratungszentrum für Hygiene
oder Synlab, den führenden Anbieter von medizinischen Labordienstleistungen in Europa. Eine durchaus professionelle Selbstvermarktung wie man sieht.

  John Kornblum lässt sich als Redner von den Agenturen Guillot und Celebrity Speakers, die sich ganz unbescheiden Europas führende Redneragentur nennt, vermarkten. Seine Auftritte im Fernsehen sind Legion. So trat er in letzter Zeit, allein bei Anne Will, ausser am 09. April am 19. Februar und am 09. Oktober letzten Jahres auf. Kornblum saß in den Aufsichts- bzw. Beiräten von ThyssenKrupp Technologies , der Bayer AG Russell Laynolds und der Motorola AG, war Chairman der Investmentbank Lazar Frèrres, Berater der internationalen Anwaltskanzlei Noerr LLP ist Vorsitzender des Beirats von Management Circle und gehört zum Team des Immobilienunternehmens Trockland. Kornblum ist bestens vernetzt in der Deutsch-Atlantischen Community wie der Atlantikbrücke, dem American Council on Germany, dem Aspen Institut und der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V.

  Anne Will hätte also durchaus mit der gleichen Berechtigung mit der sie Michael Lüders so rigide anging auch Wolfssohn und Kornblum der Verfolgung eigener, geschäftlicher Interessen angehen können. Dass sie das nicht tat lässt einzig und allein den Schluss zu: Lüders und somit alle seine Argumente sollten ganz bewusst gleich zu Anfang der Sendung in den Augen der Zuschauer als unseriös diskreditiert und damit eine nicht ganz unwichtige Sicht auf die Ereignisse in Syrien ausgeblendet werden.

  Anne Wills Intension war von Anfang an, Lüders persönlich fertig zu machen. Sie wollte ihn zerstören. Ihr ging es zu keiner Zeit darum, eine sachliche Diskussion zu führen. Ihr ging es darum, den völkerrechtswidrigen Raketenangriff der USA auf syrisches Territorium zu rechtfertigen – und das unter allen - und zwar wirklich allen Umständen.

Freitag, 7. April 2017

Raketen auf Syrien: Es riecht penetrant nach einer Schlapphut-Aktion


Eine starke und Klare Botschaft“
sei der Raketenangriff der USA auf den Luftwaffenstützpunkt der syrischen Armee gewesen, schreibt „Die Zeit“.

  Es scheint die Zeit des Umdenkens angebrochen. War Donald Trump den Kriegstreibern bei der „Zeit“ noch bis gestern der Inbegriff des Bösen, der Undemokrat, der Frauengrabbscher, der Höfling Putins, der Landesverräter, so hat dieser nun mit den 59 Raketen, die er von zwei Kriegsschiffen im Mittelmeer abschiessen ließ, die Hochachtung der Redaktion für sich gewonnen.

  Ein feiner Kerl dieser Mr. President, zieht endlich den bei Obama so schmerzlich vermissten rauchenden Colt aus dem Gürtel und knallt damit wild in der Gegend herum. Jahrelang hatte man sich bemüht, die kriegsmüden Amis endlich dazu zu bewegen in Syrien eine Flugverbotszone herbeizubomben um dem IS und Al-Quaida endlich den Weg in die syrische Hauptstadt zu ebnen, hatte den ehemaligen Präsidenten vorgeworfen nur zu reden und nicht zu handeln – nichts war geschehen. Nun da Trump Bomben wirft, er im Begriff ist einen Weltkrieg vom Zaun zu brechen, da stellt sich bei der „Zeit“ ein Gefühl des, mit Trump kuscheln wollens, ein.

  Noch allerdings bemüht man sich darum den nächtlichen Überfall klein zu reden, ihn als einmaligen „Warnschuss vor den Bug“ zu deklarieren. Die Reaktionen aus den USA aber sprechen eine andere Sprache. So begrüsste der republikanische Senator John McCain den Angriff als einen, so wörtlich
glaubwürdigen ersten Schritt“
und der Sprecher des Repräsentantenhauses, der Republikaner Paul Ryan sagte
dass das Assad-Regime nicht mehr auf die Untätigkeit der USA zählen kann“.
Der demokratische Senator Ben Cardin forderte schon einmal für die Zukunft, eine
größere Militäroperation in Syrien durch die Trump-Regierung muss in Absprache mit dem Kongress erfolgen“,
wahrscheinlich damit das Morden und Bomben auch seine schöne amerikanische Ordnung hat.

  CNN jedenfalls, war förmlich aus dem Häuschen: Es sei eine der besten Reden gewesen, die Präsident Trump je gehalten habe, als er den Raketenangriff auf Syrien verkündet habe. Trump, bisher von CNN bis aufs Messer bekämpft, hält, kaum das er Raketen auf ein Land abfeuert, dass weder die USA angegriffen, noch diesen den Krieg erklärt hat, seine beste Rede und ist ab sofort Everybodys Darling.

 Da wollte unsere Kanzlerin nicht abseits stehen. Schliesslich war sie 2003, damals zum Glück noch nicht in Regierungsverantwortung, schon ganz auf Seiten des kriegslüsternen Präsidenten der USA, George W. Bush, als es darum ging den Irak zu überfallen, ein Land in Schutt und Asche zu legen und zehntausende unschuldige Leben auszulöschen. So liess sie heute, laut Bildzeitung, verlautbaren:
Präsident Assad trägt die alleinige Verantwortung für diese Entwicklung.“
 Und wie 2003 übernahm sie auch dieses Mal wieder kritiklos die Lügen der US-Regierung, die damals Bio-Waffen in Saddams Areal verorteten und die mit Hilfe des BND sogar die unwahre Behauptung aufstellten, der Irak habe spaltbares Uran angekauft und beabsichtige eine Atombombe zu bauen:
Sein (Assads) wiederholter Einsatz von chemischen Waffen und seine Verbrechen gegen die eigene Bevölkerung verlangten eine Sanktionierung, wie Frankreich und Deutschland sie bereits im Sommer 2013 nach dem Massaker von Ghouta gefordert hätten.“
Mittlerweile steht einigermassen sicher fest, dass der Giftgasangriff auf Ghouta nicht von der syrischen Armee zu verantworten war, sondern wohl eher der Nusra-Front und der Türkei zuzurechnen ist. Diese hatten, nach heutigen Erkenntnissen die günstige Gelegenheit, dass Obama von einer roten Linie fantasiert hatte, die mit einem Giftgas-Angriff Assads auf die Zivilbevölkerung seines Landes überschritten sei, und er, Obama, sich in diesem Fall zu einem militärischen Eingreifen der USA in den Syrienkrieg gezwungen sehe, genutzt, und schnell einmal 1.000 Menschen mit Sarin getötet.

So schreibt Michael Lüders in seinem Buch „Die den Sturm ernten“:
Die inhaltsreichste und umfassendste Recherche in diesem Zusammenhang stammt von dem US-Enthüllungsjournalisten Seymour Hersh.“
Er zitiert aus Hershs Artikel „The Red Line and the Rat Line“:
Hersh zufolge wussten die britischen und US-Geheimdienste bereits seit Frühjahr 2013, dass verschiedene syrische Rebellengruppen Chemiewaffen herstellten. Aus einem Briefing der DIA, des militärischen Pendants zur CIA, vom 20. Juni 2013 gehe hervor, dass die Nusra-Front eine eigene Abteilung zur Herstellung von Sarin unterhalte.“
 Der britische Geheimdienst hatte in seinen Laboratorien in Porton Down nämlich herausgefunden, dass das in Ghouta verwendete Sarin eine andere Zusammensetzung hatte, als das, dass die Syrische Armee in ihren Beständen hatte. Lüders schreibt weiter in einer Studie von CIA und DIA, dem Geheimdienst der Streitkräfte heisse es:
In der Vergangenheit hat sich die Arbeit der Geheimdienste fast ausschließlich auf die syrischen Chemiewaffen bezogen. Jetzt erkennen wir, dass die Nusra-Front ihre eigenen Chemiewaffen produziert.“
Und die Nusra-Front verfüge über Helfer in der Türkei und Saudi-Arabien, die diese mit chemischen Substanzen zur Herstellung von Sarin
In Mengen von jeweils einigen Dutzend Kilo“
versorge.

  Im Mai 2013 wurden dann in der Türkei 13 Mitglieder der Nusra-Front, die im Besitz von 2 Kilo Sarin waren, festgenommen und unter fadenscheinigen Begründungen in aller Stille heimlich wieder freigelassen. Unterdessen hatten Waffenexperten errechnet, dass Raketen, des Typs, die in Ghouta verwand wurden, nicht in der Lage waren aus dem zuvor reklamierten Abschussgebiet, das unter der Herrschaft der syrischen Armee stand, bis ins Zielgebiet zu fliegen. Die Raketen mit dem Giftgas, so musste die New York Times im Dezember 2013 kleinlaut und auf einer der hinteren Seiten der Zeitung versteckt einräumen, könnten nur aus Rebellengebiet abgefeuert worden sein.

  Das Alles weiss Merkel natürlich und auch der Versagerpräsident aus Frankreich. Aber sie lügen frech ihre Völker an und versteigen sich auch noch dreist in Drohungen:
Frankreich und Deutschland werden mit ihren Partnern und im Rahmen der Vereinten Nationen ihre Bemühungen fortsetzen, um Präsident Assad für seine verbrecherischen Taten zur Verantwortung zu ziehen.“
Wenn zwei Dummschwätzer irgendwo zusammenstehen und dummes Zeug reden, dann ist unser derzeitiger Aussenminister, Sigmar Gabriel mit Sicherheit nicht fern.
Dass die Vereinigten Staaten jetzt mit einem Angriff gegen die militärischen Strukturen des Assad-Regimes reagiert haben, von denen dieses grausame Kriegsverbrechen ausging, ist nachvollziehbar“.
 So als gebe es keine Vereinten Nationen, so als gebe es kein Völkerrecht, schwafelt ein Mann, der sich als Aussenminister der Deutschen Bundesregierung bezeichnet von einem nachvollziehbarem Angriff daher. Was geht in diesem Kopf vor, zumal er noch vor einem Tag behauptete:
Noch wissen wir nicht, wer letztlich für den Giftgasangriff verantwortlich ist. Wir müssen jetzt in die Aufklärungsarbeit gehen.“

Wahrscheinlich das gleiche hin- und her wabern unstrukturierter Grütze, das Donald Trump zu dem Satz veranlasst hat:
Ich rufe heute alle zivilisierten Nationen auf, sich uns anzuschließen“.
 Da spricht jemand von zivilisierten Nationen, der gerade einen völkerrechtswidrigen Raketenangriff auf Syrien befohlen hat. Wenn das ein Ausdruck von Zivilisation ist, dann möchte ich ab sofort nicht mehr zum zivilisierten Teil der Menschheit gehören.

  Allerdings stellt sich mittlerweile die berechtigte Frage, wer eigentlich in Washington wirklich regiert? Ist es noch der gewählte Präsident, Donald Trump, oder ist der nur noch eine Puppe, die der Welt vorgeführt wird, die an den Fäden eines im dunklen agierenden, schizophrenen Puppenspielers hängt.

  Noch vor wenigen Tagen gab Trump zu Protokoll, Syrien und die Regierung Assad sei nur ein untergeordnetes Problem und die Syrer selbst müssten entscheiden, ob sie Assad weiter als ihren Präsidenten haben wollten. Dann plötzlich dieser Angriff auf die Stadt Chan Scheichun. Wie Kai aus der Kiste wurde Assad dem staunenden Publikum, kaum dass das Gas sich verflüchtigt hatte, als der Übeltäter vorgeführt.

  Eine These, die zumindest bei einer überlegten Betrachtung als sehr gewagt bezeichnet werden kann. Assads Truppen befinden sich auf einem unaufhaltbarem Vormarsch. Das Gebiet über das die Terroristen verfügen schmilzt von Tag zu Tag immer mehr zusammen. Die Tage der Kopfabschneider, die schon fast ganz Syrien besetzt und die Menschen in Angst und Schrecken hatten, scheinen gezählt. Da, in diesem für ihn so günstigen Augenblick schmeisst er bewusst alle seine Erfolge über Bord und lässt angeblich Nervengas regnen, wohl wissend, dass ihn das erstens keinen Schritt weiter zum Sieg führt und zweitens die große Gefahr birgt, dass der Westen nun noch intensiver die islamistischen Gotteskrieger unterstützt.

  Nicht alle Politiker dieser Welt sind mit einer Intelligenz ausgestattet, die der unseres Aussenministers entspricht.

  Es riecht penetrant nach einer Schlapphut-Aktion. Der militärisch-industrielle Komplex, vor dem schon der US-amerikanische Präsident Eisenhower warnte, scheint einmal mehr die Weltpolitik in die von ihm gewünschte Richtung gelenkt zu haben.

Mittwoch, 5. April 2017

Die Opfer von St. Petersburg für die Medien nichts weiter als Figuren im Spiel Schach dem König Putin


 Der Spiegel in Person der neuen Korrespondentin in Moskau, Christina Hebel, zauberte umgehend einen Schlaumeier aus dem Hut, der das sagte was die Herrschaften und Brötchengeber in der Hamburger Zentrale so gern hören. Auf die Frage, ob er glaube der Terroranschlag auf die U-Bahn in St. Petersburg habe mit dem Besuch Putins in der Stadt etwas zu tun, antwortet Roman Romanow:
Ja, das glaube ich schon, das war kein Zufall“.
 Egal was in Russland auch passiert, ein Brand, eine Explosion, ein schwerer Unfall, unseren Journalisten ist nichts heilig. Im Zentrum allen Ungemachs steht die Inkarnation des Bösen, der russische Präsident Putin. Weil die flinken Reporterlein dafür aber natürlich keine Beweise erbringen können, suchen sie sich irgendeinen Schwachkopf der sich darin gefällt sein Bild in der Zeitung oder im Fersehen zu sehen, um ihm den größten Unsinn in den Mund zu legen.

 Weil aber ein Dummschwätzer allein wenig Überzeugungskraft hat, erfinden die Herrschaften flugs noch eine allgemeine Meinung hinzu, Volkes Stimme sozusagen:
Viele weisen darauf hin, dass es die Heimatstadt von Putin und Premier Dimitrij Medwedew ist. Der Anschlag sei eine Ohrfeige für den Staatschef, sagen sie.“
  Siehste wohl – es ist zwar ausgemachter Schwachsinn, aber wenn's alle sagen, soll wohl schon was dran sein.

  Dieser bestechenden Logik kann sich auch der „FOCUS-Online-Experte“ Christian Osthold von „Focus Online“ nicht entziehen. Obwohl, wie er achselzuckend feststellt, „nur“ verhältnismässig wenige Opfer zu beklagen seien,
detonierte der Sprengsatz, als sich Präsident Putin gerade auf dem Nationalen Medienforum und damit unter den Augen der Weltöffentlichkeit befand.“
 Das sei als eine unmissverständliche Machtdemonstration zu verstehen und
somit darf man annehmen, dass der heutige Terrorakt als unmissverständliche Kriegserklärung an die russische Regierung gedeutet werden kann.“
 Im Laufe des Nachmittags konnten dann Wetten abgeschlossen werden, wann der erste journalistische Vollpfosten aus der Deckung kommen würde, um der erstaunten Öffentlichkeit mitzuteilen, dass der russische Präsident Putin mit zu den Hauptverantwortlichen für den Terroranschlag gezählt würde.

  Das Privileg, Deutschlands schlimmster Hetzer seit Josef Goebbels zu sein, wollte sich dann der gern von den unterschiedlichen Medien, unter anderem auch dem ZDF, als Russlandexperte gehandelte Boris Reitschuster nicht entgehen lassen. In der „Huffington Post“ teilte Reitschuster der verblüfften Öffentlichkeit das Ergebnis seiner Überlegungen, unter Einbeziehung seines gesamten Expertenwissens, bereits fünf Stunden nach dem schrecklichen Ereignis, am Montag um 18:39 Uhr MEZ mit:
Der Terroranschlag von Sankt Petersburg nützt Putin - das nährt einen bösen Verdacht.“
 Unter dem Bild eines grinsenden, feixenden und sich offenbar bestens amüsierenden Putin präsentiert Reitschuster seine Kernthesen:

  • Der Anschlag in Sankt Petersburg nützt Präsident Putin

  • Kritiker äußern den Verdacht, der Kreml könnte in das Attentat verwickelt sein

  • Andere werfen der Regierung vor, über die Bespitzelung der Opposition die Terrorabwehr zu vernachlässigen
  Zwar hat Reitschuster zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung wer verantwortlich ist für die unmenschliche Tat ist, dafür aber kennt er die Folgen dieser Tat aufs genaueste:
So unklar es ist, wer hinter dem Bomben-Terror in Sankt Petersburg steckt – so offensichtlich ist, welche Folgen er haben wird: Die politischen Prioritäten in Russland werden sich völlig ändern, ein Jahr vor den Präsidentschaftswahlen.“
 Hier kennt er sich bestens aus: Diffamieren, manipulieren, subjektive Berichterstattung, vermischen von Berichterstattung und Meinung sind schliesslich sein täglich Brot. Reitschuster spekuliert nicht, wählt nicht einmal die Möglichkeitsform, er fühlt sich gottähnlich, kann in die Zukunft sehen:
Die politischen Prioritäten in Russland werden sich völlig ändern, ein Jahr vor den Präsidentschaftswahlen.“
  Hier ist er sich mit dem ehemaligen Tennislehrer und jetzt Korrespondent der ARD in Moskau, Udo Lielischkies vollkommen und auf ganzer Linie einig. Dieser verlautbarte nämlich, in der Hauptsendung der ARD-Tagesschau um 20:00 Uhr am 04. April:
Der Terroranschlag hat die Protestdemonstrationen vor gerade erst zehn Tagen völlig in den Hintergrund gedrängt...“.
  Ein merkwürdiges Völkchen, diese Russen, interessieren sich mehr für einen Terroranschlag in ihrer Metropole St Petersburg mit 14 Toten und etlichen, zum Teil schwer verletzten Menschen, als für ein paar, zumindest an der Anzahl der Teilnehmer gemessenen, belanglosen Demonstrationen vor über einer Woche. Und das obwohl Udo Lielischkies und mit ihm die gesamte westliche Mainstreampresse doch schon eine Zeitenwende in Russland heraufziehen sahen.

  Natürlich macht es auch einen Unterschied, ob hier im freien Westen die Menschen nach schweren Terroranschlägen das Gefühl haben, nun erst recht zusammenzustehen, oder in Putins eigenem, von tumben Slawen bewohntem Russland:
...und Menschen sagen uns hier, jetzt müsse man zusammenstehen gerade vor den Großereignissen Confed Cup und Fußballweltmeisterschaft im kommenden Jahr.“
 Denn hier hat man nicht einfach ein Gefühl der Verbundenheit mit den Opfern, hier beschneidet man, praktisch in einem Akt von kollektiver Unterdrückung die bürgerlichen Freiheiten wenn man zusammensteht:
Die Opposition fürchtet nun, dass jeder Protest, und sei er noch so legitim, ab sofort gebrandmarkt wird als Schwächung der nationalen Einheit im Kampf gegen den Terrorismus.“
 Wobei man hinzufügen sollte, legitim ist im Falle Russlands alles was Udo Lielischkies und Boris Reitschuster dazu erklären.

  Und weil das so ist, weiss Reitschuster auch jetzt schon wie der Wahlkampf um das Präsidentenamt in Russland verlaufen wird:
Statt Korruption und Willkür, Wirtschaftskrise und Massenprotesten werden Terror und Sicherheit die wichtigsten Themen sein“,
ganz anders wie in Deutschland, wo vornehmlich die CDU und die CSU, gemeinsam mit der AFD eine gepflegte, angeregte Diskussion über Flüchtlinge und deren Verbindung zum internationalen Terrorismus während des Wahlkampfes führen werden.

  Womit bereits jetzt, über ein Jahr vor den Wahlen erklärt wäre, warum Putin dann mit solch einem hohen Wahlergebnis wiedergewählt wird, obwohl doch solche Speichellecker und US-finanzierten Vorbestraften wie Alexej Navalny von unseren Medien viel lieber als Sieger gesehen würden. Wie gesagt ein merkwürdiges Völkchen, diese Russen. Müssten sie doch eigentlich wissen, dass ihr Präsident nun schon zum zweiten mal den gleichen Coup abzieht, um in betrügerischer Absicht von ihnen zum Präsidenten gewählt zu werden:
Genauso wie 1999, als der damals kaum bekannte Wladimir Putin, Ziehsohn des greisen Präsidenten Boris Jelzin, nach mehreren Bombenanschlägen auf Wohnhäuser mit mehr als 300 Toten zum Hoffnungsträger der Nation wurde. Auch damals standen im Folgejahr Präsidentschaftswahlen ins Haus.“
  Nun mag Beobachtern, die sich trotz des seit Jahren anhaltenden Trommelfeuers westlicher Propaganda noch einen Rest an Objektivität bewahrt haben, eine Parallelität der Ereignisse nicht so recht eingehen zu wollen. Für diesen Fall zieht Reitschuster seinen Bruder im Geiste, den ehemaligen Schachweltmeister Garri Kasparow aus dem Ärmel seines Zaubermantels.
Tragödie in Petersburg. 'Unbekannte Terroristen' haben es zum wiederholten Mal geschafft, sich genau an die politische Tagesordnung des russischen Diktators zu halten“,
so zitiert er aus einem Schreiben Kasparows. Es ist zwar bekannt, dass Genie und Wahnsinn ganz dicht beieinander sind, dass Kasparow sich allerdings einbildet, er kenne Putins Tagesordnung, geht dann schon ein wenig über das akzeptable Mass Wahnsinn hinaus.

  Aber wenn man jahrelang in einer Welt von Lügen gelebt hat, dann ist es schwer selbst noch die Wahrheit zu erkennen. Dann setzt man sich im trauten Kreis der Verschwörungsspraktiker zusammen und backt sich aus den Lügen und Halbwahrheiten, den haltlosen Verdächtigungen und den eigenen Wahnvorstellungen seine ganz eigene Wahrheit, die da laute:
Der Kreml selbst könne hinter dem Terror stecken.“
 Man sieht Reitschuster und seine Kumpane im Geiste schrecken vor rein gar nichts mehr zurück. Mitgefühl mit den Opfern und deren Angehörigen, Entsetzen über eine grausame Tat, dass alles ist diesen Herrschaften vollkommen fremd. Sie wollen verleumden, zerstören, vernichten, aufhetzen - komme was da wolle. Sie sind Polizei, Staatsanwalt, Richter und Henker in einer Person.

  Aber da gibt es ja noch jene, denen die These, Putin sei nicht nur an allem Schuld, sondern habe selbst Hand angelegt bei Mord und Totschlag, habe die Bombe in der U-Bahn in St. Petersburg selbst gezündet, etwas zu weit geht. Für diese Verstockten hat Reitschuster noch eine Hilfsthese bereit, die da lautet: Putin und seine Schergen aus dem Geheimdienst hätten die Bombe zwar nicht selbst gebastelt und gezündet, aber sie seien für den Terrorakt verantwortlich, weil sie sich nicht genug um die Umtriebe der Terroristen gekümmert hätten.

  Im deutschen Strafrecht gibt es dafür den Begriff der Schuld durch unterlassen. Wer einen Mörder, von dem er weiß, dass er morden will, nicht daran hindert zu morden, der ist selbst des Mordes schuldig.

  Diese These, schuldig durch unterlassen, ist allerdings ein zweischneidiges Schwert. Nicht so fest in ihrem Charakter gegründete Menschen könnten die Frage stellen, wenn denn Putin durch Unterlassung schuld ist am Tod der Terroropfer von St. Petersburg, ist dann Angela Merkel schuld am Tod der Menschen in Berlin, Françoise Hollande am Tod der Terroropfer von Paris, die belgische Regierung für den Anschlag in Brüssel oder etwa sogar George W. Bush für die Anschläge auf das Worldtrade Center und das Pentagon am 11. September 2001?

  Halt! Hier werden dann doch wohl zwei völlig unterschiedliche Sachen in einen Topf geworfen. Das Eine ist die freie Welt mit den besten, klügsten und integersten Personen an ihrer Spitze, wie Merkel, Hollande und Bush der jüngere. In dieser Welt sind grundsätzlich immer die anderen die Bösen, die Verbrecher, die hinterhältigen Mörder, die uns unserer Freiheit und unseres Lebensstils berauben wollen. Dagegen müssen wir zusammen stehen, uns schützen, indem wir unseren Regierungen erlauben uns auszuhorchen, unsere Privatsphäre auszuspionieren und dann wenn wir zu „Wutbürgern“ mutieren, wie das Beispiel Stuttgart 21 zeigt, uns die Augen mit dem Strahl von Wasserwerfern aus dem Kopf schiessen.

  Das Andere, das ist das Reich der Finsternis, beherrscht, unterdrückt und gequält vom Herrn der Finsternis, Wladimir Putin. Da sind selbst die Opfer von Terror und Gewalt nicht der Rede, geschweige denn der Trauer und des Mitgefühls wert.

  Sie, die Toten und die Verletzten von St. Petersburg, sind keine Opfer, sondern sie sind Waffen in den Händen der Lielischkies, der Reitschusters, der Hebels und der Ostholds. Waffen im Krieg gegen den Fürst der Finsternis, Mittel zum Zweck der Propaganda und des Erzeugens von Hass und der Bereitschaft in den Krieg zu ziehen, unsere Kinder und Enkelkinder zu opfern für den letzten, heiligen Krieg. Der Krieg, der uns alle am Ende zu Asche verbrennt, wenn die Atomblitze rund um die Welt aufleuchten und an dessen Ende alles Leben ausgelöscht ist - bis auf die langen Reihen von Nullen und Einsen, die die Kontenstände der Rüstungsindustrie wiedergeben, auf den, in vor Atombomben geschützten Bunkern aufgestellten Computern.

Freitag, 24. März 2017

Syrienberichterstattung am Beispiel von "Die Zeit": Wenn zwei das gleiche tun....


 Im Norden Syriens, in der Stadt Al-Mansura sind am Dienstagmorgen 33 Menschen gestorben. Sie waren Flüchtlinge aus der Stadt Rakka und hatten sich in einer Schule der Stadt vor den Kämpfen um Rakka in Sicherheit gebracht. Der Tod kam aus der Luft. Bomber der Anti-IS-Koalition haben das Gebäude in Schutt und Asche gelegt. Unter den Opfern waren viele Frauen und Kinder. „Die Zeit“ meldete den Vorfall in einer Kurzmeldung auf ihrem Internet Account. Ganze 79 Worte war dem Blatt die Meldung wert. Die Stadt Al-Mansura befindet sich ebenso wie Rakka unter der Herrschaft des IS.

 Wesentlich interessanter erscheint der Zeit an diesem Tag ein Vorfall aus dem Jahr 2005. Im fernen Washington erhitzt die Meldung, das der ehemalige Wahlkampfleiter für Donald Trump, Paul Manafort, vor 12 Jahren für einen russischen Oligarchen gearbeitet haben soll die Gemüter. 561 Worte plus 17 Worte Bildunterschrift ist der Artikel auf „Zeit online“ den Machern des Blattes wert.

 Am 26. Oktober 2016 wurde in der Provinz Idlib, ebenfalls im Norden Syriens, eine Schule aus der Luft bombardiert. 35 Menschen kamen ums Leben, darunter 22 Kinder. Verantwortlich für den Angriff soll die russische Luftwaffe gewesen sein. „Die Zeit“ meldete den Vorfall am 27. Oktober auf „Zeit online“ in einer Meldung. Die Meldung war über dreimal so lang wie die über die bombardierte Schule in Al-Mansura. 259 Worte war die Meldung lang, plus einer Bildunterschrift, die 29 Worte umfasste. Auf ein Bild der zerstörten Schule in Al-Mansura wurde von der Zeit gänzlich verzichtet.

 Am gleichen Tag berichtete „Die Zeit“ ebenfalls auf „Zeit online“ in einem weiteren Artikel über den Angriff auf die Schule. Dieser Artikel war nochmals 512 Worte lang. Wir ziehen Bilanz: 33 Opfer der Anti-IS-Allianz sind der „Zeit“ 79 Worte wert. Wesentlich mehr, um genau zu sein, das Zehnfache, zählen dem Wochenblatt die Leiden der Menschen, die vermutlich einem russischen Angriff zum Opfer gefallen sind.

  Schon an diesem kleinen Vergleich ist abzusehen, wie selektiv die Sichtweise unserer Journalisten ist. Zwar werden hier nur die Meldungen der Wochenzeitung „“Die Zeit“ thematisiert, ein Vergleich anderer Blätter, wie „Der Spiegel, „Die Welt“, „FAZ“, „Tagesspiegel“ oder bei „ARD“ und „ZDF“ ergeben aber in etwa das gleiche Bild.

 Aber nicht nur die Quantität, der einfache Vergleich der Anzahl der Worte, die auf die Meldungen verwendet wurden, spricht eine deutliche Sprache über die manipulative Berichterstattung unserer Medien – auch die Qualität die Sprache zeigt deutlich, dass die Mainstream-Medien ihre Aufgabe nicht in der Information ihrer Rezipienten sehen, sondern ihr Anliegen eher die Agitation und die Manipulation der Menschen ist.

 Zum Vergleich sollen hier noch einmal die Artikel der Zeit dienen. In der Nachricht über die Bombardierung der Schule in Al-Mansura von Mittwoch dem 22. März ist die Sprache kurz, knapp und sachlich. Der erste Satz lautet:
Bei einem Luftangriff der US-geführten Koalition auf eine als Flüchtlingsunterkunft genutzte Schule im Norden Syriens sind nach Angaben von Aktivisten mindestens 33 Menschen getötet worden.“
In der Meldung aus dem Oktober letzten Jahres heisst es hingegen schon in der Überschrift:
22 Kinder bei Luftangriffen auf Schule getötet“
 Schon hier nimmt das Blatt eine Wertung vor. Von den 35 Opfern insgesamt, ist nicht die Rede. Prominent erwähnt werden lediglich die 22 Kinder, weil natürlich der Empörungsgrad bei Opfern, die noch Kinder sind, ungleich höher ist, als bei den 13 Erwachsenen Opfern, die allerdings genauso mausetot sind wie die Kinder.

  Im Artikel selbst hält man sich erst gar nicht mit der reinen Darstellung der Fakten auf:
Unicef spricht vom wohl schwersten Angriff gegen Kinder während des Syrien-Krieges. Die russische Luftwaffe wird beschuldigt, an dem Verbrechen beteiligt zu sein.“
Gleich der erste Satz ist eine Wertung.“Vom wohl schwersten Angriff gegen Kinder“ ist die Rede und diese Wertung gibt nicht die Zeitung selbst ab, sondern sie kommt von einer in den Augen der meisten Menschen, neutralen, unangreifbaren Institution, von Unicef. Damit aber nicht genug der Vorverurteilung. „Die Zeit“ lässt ein wörtliches Zitat des Generaldirektors des UN-Kinderhilfswerks Unicef, Anthony Lake folgen. Die Schule sei
„wiederholt angegriffen worden. Es ist eine Tragödie, es ist eine Schande.“
lässt „Die Zeit“ den heiligen Mann sagen. Das der allerdings, wie alle heiligen Männer, absolut ahnungslos ist, von den näheren Umständen des Angriffs nichts weiss und schon gar nicht die Schuldfrage beantworten kann, versteckt „Die Zeit“ in einem, lediglich eine von vielen Möglichkeiten als These äussernden, Halbsatz:
Sollte der Angriff vorsätzlich ausgeführt worden sein“.
Von der „Zeit“ vermutlich nur zitiert, weil der zweite Halbsatz
wäre er ein Kriegsverbrechen“,
so schön in die Argumentation passt, und in der Klarheit und Bestimmtheit seiner Aussage, „ein Kriegsverbrechen“, den ersten Satzteil schnell vergessen macht.

  Als Meinungsmedium mag „Die Zeit“ natürlich die zu ziehenden Schlussfolgerungen nicht seiner Leserschaft überlassen. Fehlinterpretationen wäre dadurch Tür und Tor geöffnet. Daher ruft das Blatt lieber selbst zu den Waffen:
Der Vorfall müsse die internationale Gemeinschaft aufrütteln. Es reiche nicht aus, Abscheu angesichts solcher 'barbarischer Taten' zu zeigen, sagte er. Die Welt müsse darauf bestehen, dass diese aufhörten“,
lässt das Blatt noch einmal den Generaldirektor des UN-Kinderhilfswerks Unicef, Anthony Lake verlautbaren. Dabei sind die Macher der Wochenzeitung merkwürdig zurückhaltend. Lake wird nur in indirekter Rede zitiert ausser mit zwei Worten. „Barbarischer Taten“ darf er in wörtlich zitierter Rede die „russische Luftwaffe“ beschuldigen.

  Die Toten von Al-Masura sind allerdings nicht die einzigen Opfer der Allianz gegen den IS in den letzten Wochen. Am 16. März wurde in AL-Dschineh, 30 Kilometer westlich von Aleppo eine Moschee aus der Luft zerstört. 42 Todesopfer und über 100 Verletzte wurden gezählt.

In einem Artikel vom 17 März:
weigert sich „Die Zeit“ schlicht und einfach die Verantwortlichkeit zu benennen. Dummdreist heisst es:
„Wer den Angriff ausgeführt hat, ist unklar.“
Anschliessend packt das Blatt den ganz grossen Nebelwerfer aus und erlaubt so den wahren Schuldigen sich aus der Verantwortung zu stehlen. Aber das Blatt vernebelt nicht nur die Tatsachen, es legt gleichzeitig auch reichlich falsche Fährten:
Die Streitkräfte von Präsident Baschar al-Assad und dessen Verbündeter Russland haben in der Region zahlreiche Luftangriffe gegen Aufständische geflogen.
...Der Luftangriff auf die Moschee ereignete sich nur einen Tag nach einem Selbstmordattentat in der syrischen Hauptstadt Damaskus, bei dem mindestens 30 Menschen ums Leben kamen.“
Ganz offensichtlich will man die Verantwortung der syrischen und russischen Luftwaffe in die Schuhe schieben. Denn die US-Streitkräfte hatten in der Zeit anderes zu tun. Sie kümmerten sich derweil um die Terroristen:
Unabhängig davon (dem Angriff auf die Moschee) meldete das Streitkräftezentralkommando der Vereinigten Staaten in Florida, dass sie bei einem Luftangriff in der nahe gelegenen Stadt Idlib mehrere Al-Qaida-Kräfte getötet hätten. 'Idlib war in den vergangenen Jahren ein wichtiger Rückzugsort für Al-Qaida', hieß es in einem Statement des für den Nahen Osten zuständigen Regionalkommandos der Streitkräfte.“
Einen Tag später dann muss „Die Zeit“ aber dann doch, mit von Tränen erstickter Stimme melden:
Ausgesprochen wortkarg vermeldet das Blatt, dass die US-Streitkräfte die Verantwortung für den Luftangriff auf die Moschee übernommen hätten. Aber natürlich habe man
„das Gotteshaus nicht gezielt angegriffen“.
Absicht wird generell nur Syrien und Russland unterstellt, denn niemand bei der Zeit kann sich auch nur annähernd vorstellen, dass die Herren von Guantanamo, die Folterer von Abu Graib und die Auslöscher ganzer Hochzeitsgesellschaften mittels Drohnen, gesteuert von deutschem Boden aus, jemals dazu fähig wären, sich gegen die Gesetze des Kriegsrechts zu vergehen.
75 Worte lang war die Meldung. Dagegen hatte der Bericht vom Vortag, als man noch nicht genau wusste, wer die Moschee in Schutt und Asche verwandelt hatte, 334 Worte lang, gespickt von bösen Unterstellungen und Verdächtigungen gegen Syrien und Russland. 

Das ist der Wasserstand in Sachen deutschen Qualitätsjournalismus' im Jahre des Herrn 2017.

Mittwoch, 22. März 2017

Beweiskette für russischen Hackerangriff auf US-Wahlen beginnt zu zerbrechen


 Es ist sicher nicht die Aufgabe der Presse, ihre Veröffentlichungen danach auszurichten, was für unser Land und dessen Bürger nützlich ist und was nicht. Es ist aber auch nicht Aufgabe der Veröffentlichten Meinung unserem Land und uns Bürgern absichtlich zu schaden, aus Dummheit oder des eigenen Vorteil wegen. Aber eben das tut die Zunft der Meinungsmacher seit Jahren.

 Erinnern wir uns noch an den Anfang dieses Jahrhunderts, als die angeblich unabhängigen Journalisten uns mit aller Macht einreden wollten, wir lebten über unsere Verhältnisse, die Arbeitsmoral der Deutschen sei miserabel, wir lägen von morgens bis abends in der sozialen Hängematte und unsere Ansprüche an die sozialen Netzwerke seien masslos überzogen.

 Die Kampagne fruchtete mit dem Ergebnis, dass in den Folgejahren die grossen Vermögen und die hohen Einkommen exorbitant stiegen, während die unteren Einkommen im gleichen Zeitraum sanken und der Mittelstand zusehends dahinschwand. Die Durchlässigkeit der Gesellschaft nahm ab, heute ist es wesentlich schwerer für Menschen aus den unteren Einkommensschichten aufzusteigen, als noch vor 15 oder 20 Jahren, und die Bildungschancen für Kinder aus, wie es so schön heisst, bildungsfernen Familien hat rapide abgenommen.

  Im Folgenden hat man uns einzureden versucht, Deutschland müsse nun, da es durch die „Wiedervereinigung“ an Gewicht in der Welt gewonnen habe, mehr Verantwortung für eben diese Welt übernehmen. Gemeint war aber nicht mehr Verantwortung, sondern das genaue Gegenteil: Deutschland müsse dringend militärisch aufrüsten, müsse sich in alle möglichen Konflikte in der Welt mit Soldaten einmischen. Sogenannte Friedensmissionen gingen einher mit einer immer häufigeren Entsendung, bis an die Zähne bewaffneter Soldaten, in Länder von deren Existenz die meisten Menschen erst erfuhren, als sie die teuren militärischen Abenteuer durch ihre sauer verdienten Steuergelder finanzieren mussten. Die Rüstungsindustrie, deren Umsätze und Gewinne durch den Zusammenbruch des „Ostblocks“ und der offensichtlich nutzlos werdenden Hochrüstung drohten massiv einzubrechen, feierte nun fröhliche Urständ.

  Nicht ganz unschuldig für diese Entwicklung war ein sich immer mehr verstärkerndes Russlandbashing. Nachdem der Suffkopf Jelzin sein Präsidentenamt zugunsten Wladimir Putins niedergelegt hatte, sahen die weltweit agierenden Konzerne, vor allen Dingen in der Energiewirtschaft, ihre schon sicher geglaubten Felle davonschwimmen. Hatte noch Anfang des Jahrhunderts der wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe rechtskräftig verurteilte Oligarch Chodorkowsky versucht sich durch den Verkauf seines zusammengeraubten Öl- und Gasimperiums an US-amerikanische Ölfirmen einen schlanken Fuss zu machen, so stoppte Putin den Ausverkauf russischen Volksvermögens durch, zugegeben, teilweise rigide Massnahmen. Die US-amerikanischen Oligarchen standen plötzlich mit leeren Händen da und die schon sicher geglaubten russischen Bodenschätze waren plötzlich wieder genau so weit entfernt, wie zu Zeiten der Sowjetunion.

  Russland, eben noch gefeiert für seine Demokratiebemühungen wurde von jetzt auf gleich zum Hort des Bösen und der Unfreiheit. Hatte die Welt eben noch Beifall geklatscht, als Jelzin das russische Parlament, das in Moskau befindliche "Weisse Haus" mit Panzern beschoss, weil die frei und unabhängig gewählten Abgeordneten sich weigerten einer von Jelzin geforderten Verfassungsreform zuzustimmen, so wurde nun alles was Putin tat oder auch was er nicht tat, als zutiefst undemokratisch und von dem Bestreben Russland wieder in eine Diktatur zu verwandeln getrieben, dargestellt.

  Das vordringliche deutsche Interesse an einem auskömmlichen Verhältnis mit dem Östlichen Nachbarn wurde hintangestellt für das grosse Ziel, den wahren Herrschern der Welt, den Dollar- und Euro-Milliardären noch weitere Pfründe zuzutreiben.

  Ebenso gegen deutsche Interessen gerichtet ist die dumme und zum teil haltlose Kampagne, die die deutschen Medien gegen den gewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten losgetreten haben. Irgendwann wird man gezwungen sein, ob man nun will oder nicht, mit dem Präsidenten der größten Wirtschaftsmacht der Erde, ein normales Verhältnis herzustellen. Es reicht unseren Pressevertretern nicht, die reichlichen politischen Fehlleistungen, die charakterlichen Schwächen und die menschlichen Unzulänglichkeiten des neuen Präsidenten aufzudecken und kritisch zu würdigen, sie steigen mit aller Kraft in die Schmutzkampagnen der bei den Wahlen unterlegenen Demokraten ein.

Da heisst es Trump sei ein Vasall Putins, er habe die USA noch vor seinem Amtsantritt an Russland verraten und seinen Sieg bei den Präsidentschaftswahlen habe er ausschliesslich Putin zu verdanken, der den Wahlkongress der Demokraten und die E-Mail-Konten Hillary Clintons und deren Wahlkampfleiter John Podesta gehackt und somit Trump einen Vorteil verschafft habe. Zunächst und ganz nebenbei tut sich da die Frage auf, wieso die Demokraten daraus einen Nachteil bei der Wahl erlangt haben sollten, wenn doch bei ihnen alles mit rechten Dingen zugegangen sein sollte? Ist es augenscheinlich wohl nicht.

Monatelang erweckten die Demokraten und mit ihnen das gesamte Establishment von Presse und Fernsehen den Eindruck, es sei bewiesener Fakt, dass russische Hacker im Auftrag Putins die Demokraten ausspioniert hätten. Dieser Hype hat aber nun einen gewaltigen Dämpfer erlitten, allerdings, ohne dass die deutsche Öffentlichkeit davon durch ihre Medien unterrichtet worden wären. Ganz im Gegenteil: „Die Welt“ dichtete sich noch gestern die Titelzeile:
Trump und das Geräusch klickender Handschellen“
zusammen, der Stern assistierte:
Der schlimmste Tag in Donald Trumps Amtszeit“
der „Tagesspiegel wusste:
Trump wird zum Sicherheitsrisiko“.
Da wollte auch das Handelsblatt nicht abseits stehen:
Ein Präsident ohne Glaubwürdigkeit“
recherchierte das Blatt und die ARD prügelt gleich mehrfach auf ein gewähltes Staatsoberhaupt ein. Der Deutschlandfunk meldete:
Seine Glaubwürdigkeit geht baden“,
das Morgenmagazin der ARD hatte das Ohr an der Schiene mit:
Anhörung bringt Trump in Bedrängnis“
und schliesslich und endlich wollte Gniffkes Flaggschiff, die „Tagesschau", nicht abseits stehen und liess die User von Tagesschau.de wissen:
Trump beschädigt das Amt“.
  Am gleichen Tag, an dem unsere Medien unisono den US-Präsidenten bereits in Handschellen sahen, ihn zumindest aber in arger Bedrängnis wähnten, begann in den USA, die von den Demokraten gestreute und durch diverse nebulöse Andeutungen der verschiedenen Geheimdienste befeuerte Story von der Wahlhilfe Putins, und einem ausschließlich daraus resultierendem Wahlsieg Trumps, in sich zusammenzubrechen.

Ein einflussreicher britischer Think Tank und das Militär der Ukraine bestreiten einen Bericht, den die US-Cybersecurity-Firma CrowdStrike verwendet hat, um ihre Behauptung zu unterstützen, Russland habe die Präsidentschaftswahlen durch Hackerangriffe beeinflusst.“
CrowdStrike war die Firma, die von der Demokratischen Partei im Juni beauftragt worden war, zu untersuchen, wer die Server ihres Wahlkampfkongresses gehackt hatte. „Voice of America“ weiter:
Der CrowdStrike-Bericht, der im Dezember veröffentlicht wurde, behauptete, dass die Russen eine ukrainische Artillerie-App gehackt hätten, was zu schweren Verlusten von Haubitzen im Krieg der Ukraine mit russisch unterstützten Separatisten führte.“
  CrowdStrike verwendete in dem Bericht Daten des anerkannten „Institut für Strategische Studien“ (IISS) in London um seine Behauptungen zu untermauern. Das Institut teilte alledings auf Anfrage mit, es habe nie eine Verbindung des Instituts mit CrowdStrike bestanden.

 CrowdStrike hatte behauptet:
"Zwischen Juli und August 2014 starteten die russisch unterstützten Rebellen einige der entscheidendsten Angriffe gegen die ukrainischen Kräfte, was zu einem erheblichen Verlust an Leben, Waffen und Territorium führte.
Die ukrainische Artillerie haben in den zwei Jahren des Konflikts über 50% ihrer Waffen verloren und über 80% der D-30-Haubitzen, der höchste Prozentsatz aller Verluste an Artilleriewaffen im Arsenal der Ukraine"
und verwies auf einen russischen Blogger, der Zahlen des IISS zitierte. Diese hohen Verluste seien durch eine, von der Hackergruppe „Fancy Bear“ gehackte App, mit der die ukrainische Armee Zieldaten an ihre Artillerie gab entstanden. Die Kräfte der Volksrepubliken hätten dadurch die Stellungen der Artillerieeinheiten geortet und diese zerstören können. Fancy Bear“ habe für den Hack eine Variante der „X-Agent“ Malware verwendet.

 Diese Variante der "X-Agent" Malware sei dann auch von den Hackern des Wahlkongresses der Demokraten verwendet worden.

  Diese Tatsachen sind von besonderer Bedeutung, weil der Mitbegründer und einer der Chefs von CrowdStrike seinen Vorwurf, Russland sei verantwortlich für den Hackerangriff auf die Demokraten, damit begründet hatte. Die neuen Erkenntnisse aber, so VOA,verdichteten die Skepsis,
die von einigen Cybersecurity-Experten und Kommentatoren über die Qualität der technischen Beweise geäußert wird.“
  Nun ist aber in dem Bericht des „Institut für Strategische Studien“ überhaupt nicht von militärischen Verlusten bei der ukrainischen Artillerie die Rede. IISS revidiert in dem Bericht nur fälschlich zu hoch angesetzte frühere Zahlen der Bestände bei der ukrainischen Artillerie. Voice of America bat IISS im Februar die angeblichen Verluste der ukrainischen Artillerie zu überprüfen. Das Ergebnis war erstaunlich:
Von den CrowdStrike-Behauptungen war bei IISS zunächst nichts bekennt. Durch die Untersuchung stellte man fest, dass CrowdStrike ihre Daten falsch interpretierte und vor Veröffentlichung nicht bei IISS zur Kommentierung oder Klärung der Behauptungen nachgefragt hatte.“
Das „Institut für Strategische Studien“ liess verlautbaren:
Der CrowdStrike-Bericht nutzt unsere Daten, aber die Schlussfolgerungen und Analysen, die aus diesen Daten gezogen wurden, sind ausschließlich die, der Autoren des Berichts. Die Schlussfolgerung, die sie daraus ziehen, dass die Verringerung der ukrainischen D-30 Artillerie-Bestände zwischen 2013 und 2016 in erster Linie das Ergebnis von Kampfverlusten ist, ist keine Schlussfolgerung, die wir jemals auch nur angedacht haben, und von der wir nicht glauben, dass sie richtig ist."
Zusätzlich gab das Verteidigungsministerium der Ukraine auf Befragen durch VOA bekannt, das weder die Hackeraktion auf die Artillerie-App, noch die Verluste von Haubitzen stattgefunden haben noch der Wahrheit entsprechen. Pavlo Narozhnyy, ein technischer Berater des ukrainischen Militärs sagte laut VOA, ein hacken der Artillerie-App sei zwar theoretisch möglich, aber:
Ich persönlich kenne Hunderte von Schützen in den Kriegsgebieten. Keiner von ihnen erzählte mir von D-30-Verlusten, die durch Hacken oder aus irgendeinem anderen Grund verursacht wurden.“
CrowedStrike-Gründer Alperovitch, ein russischer Auswanderer und Senior Fellow am „Atlantic Council policy research center“ in Washington, hat in mehreren Interviews aktiv zu Berichten in den Medien beigetragen, die die Verbindung zwischen der Ukraine und der demokratischen Kampagnen-Hacks durch die gleiche Hacker-Gruppe Fancy Bear und der Version der X-Agent Malware thematisierten:
Die Tatsache, dass sie (Fancy Bear) aufzuspüren waren und dem russischen Militär halfen Soldaten der ukrainischen Armee in den Kampfgebieten der östlichen Ukraine zu töten und in die US-Wahl eingegriffen haben, ist ziemlich sicher“,
behauptete Alperovitch in einem Interview am 22. Dezember in der WashingtonPost.

 Auf PBSNewsHour fügte er am gleichen Tag hinzu:
"Wenn du darüber nachdenkst, wer wäre interessiert, Sodaten der Artillerie der Ukraine in der östlichen Ukraine zu töten? Wer hat Interesse an der Demokratischen Partei? [Die] russische Regierung. Aber speziell, ist es das russische Militär, das die Kontrolle in der Ukraine beansprucht und diese Artilleristen vernichten will."
 Schon kurz nach der Veröffentlichung des Berichts von CrowdStrike, schlossen sich die US-amerikanischen Cyber-Sicherheitsfirmen Fidelis und Mandiant die Schlussfolgerungen von CrowdStrike an. Der FBI- und Homeland Security-Bericht kamen anschliessend zu der gleichen Schlussfolgerung.

 Allerdings sind einige Cybersecurity-Experten, darunter Jeffrey Carr, ein Cyber-Sicherheitsberater, der am U.S. Army War College, des militärischen Geheimdienstes DIA und anderen Regierungsbehörden Vorträge gehalten hat, skeptisch. Er hält CrowdStrikes Beweise mit der Ukraine und dass CrowdStrike fälschlicherweise davon ausgegangen sei, dass die X-Agent Malware in den Hacks ein zuverlässiger Fingerabdruck für eine russische Beteiligung sei, für "fadenscheinig".
"Wir wissen jetzt, dass das falsch ist, und dass der Quellcode von anderen, außerhalb von Russland kam."
 


Dienstag, 14. März 2017

Inflation der Hitler-Vergleiche - Totschlagargument in der politischen Diskussion


 Es herrscht ein gewisser Alarmismus in den Medien. Ein böses Gespenst feiert fröhliche Urständ - Adolf Hitler. Zur Zeit geistert der wohl schlimmste Verbrecher aller Zeiten in gleich drei Metamorphosen durch den Blätterwald - in den Gestalten von Putin, Erdogan und Trump. Er hat in den letzten Jahrzehnten allerdings schon andere Erscheinungsformen angenommen. So trat er in den Körpern des Serbischen Präsidenten Slobodan Milošević, des Irakischen Machthabers Saddam Hussein des Libyers Muammar al-Gaddafi, des Palästinenserführers Jassir Arafat oder Osama bin Ladens auf. Alle fünf Männer, so unterschiedlich sie auch sein mögen, haben eines gemeinsam - sie sind alle tot und sie sind nicht daheim in ihren Betten gestorben. Vier von ihnen waren ausserdem islamischen Glaubens.
 In den letzten Jahren, und besonders in den letzten Monaten und Wochen häufen sich die Vergleiche mit Adolf Hitler, besonders im Zusammenhang mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, der allerdings, je nachdem wie es besser passt auch gern mit Stalin gleichgesetzt wird. Ganz neu im Club ist der US-amerikanische Präsident Donald Trump.
 Sinn und Zweck dieser Vergleiche oder Gleichsetzung aktueller Politiker mit Hitler oder deren Politik mit den Verbrechen der Nazis ist es, sie zu stigmatisieren und nahezu jedes Mittel gegen sie zu legalisieren. Allerdings sind diese Vergleiche ein zweischneidiges Schwert. Zum einen nivelliert es die einzigartigen Verbrechen der Nazis. Mit jedem neuen Vergleich eines Politikers mit Hitler oder dessen Politik mit den Verbrechen der Nazis erscheinen diese in ihrer Einzigartigkeit eigentlich unvergleichlichen Taten, weniger einzigartig, weniger brutal. Zum anderen verliert der als Totschlagargument verwendete Vergleich immer mehr an seinem Gewicht.
 In seiner Dissertation:
"Mit Hitler zum Medienskandal - Skandal oder Skandalisierung? Eine medien- und kommunikationslinguistische Analyse von NS-Vergleichen und Verweisen auf den Nationalsozialismus als Auslöser für öffentliche und massenmediale Empörung",
schreibt Frederk Weinert zur Rolle der Medien:
"Für einen Großteil der heutigen Gesellschaft ist Adolf Hitler die ‚Reinkarnation des Bösen’. Ein Hitler-Vergleich ist also das Maximum, um eine Person zu diffamieren. Für die Massenmedien ist ‚das Böse’ wiederum gut. Es gilt: Bad news are good news. Nationalsozialistische Verweise in der politischen Kommunikation sind als Ereignis so explosiv, dass verschiedene Nachrichtenfaktoren bedient werden."
 Ein Stück vom Kuchen wollte sich nun auch das zum Bauer Verlag gehörende Online-Portal "Huffington Post" abschneiden:
"Nazipropaganda zum Reichstagsbrand: Ein Historiker zieht Parallelen zu Putin, Erdogan und Trump",
nennt Marco Fieber seinen Artikel. Als Grundlage dient Fieber ein Beitrag des US-Historikers Timothy Snyder in "The New York Review of Books". Snyder soll's recht sein. Der versucht zur Zeit sein neuestes Buch "On Tyranny - Twenty Lessons from twentieth Century" zu verkaufen, dass in den USA gerade erschienen ist, und in Deutschland unter dem Titel "Über Tyrannei: Zwanzig Lektionen für den Widerstand" am 8. März auf den Markt kommt.
   Dabei ist Snyder nicht zimperlich. Die Art seiner Argumentation ist mit der eines Wissenschaftlers unvereinbar. Seine Argumentation gibt sich nicht einmal die Mühe den Anschein der politischen Agitation zu verschleiern. Was ihm in seine Argumentation zu passen scheint, das biegt er sich zurecht und bauscht es auf. Was nicht so recht passen will, dass lässt er weg oder redet es klein.
 Marco Fieber und die Huffington Post scheinen zudem der Ansicht gewesen zu sein, dass ganze Passagen des Snyderschen Elaborates den Deutschen nicht zuzumuten seien. So fehlen ganze Passagen über George W. Bushs Krieg gegen den Terror, die sehr bemerkenswert sind und aufzeigen, wessen Geistes Kind der Autor ist. Mit Bezug auf eine Äusserung Trumps aus dem Jahr 1989, der damals laut Snyder gesagt haben soll, dass
"bürgerliche Freiheiten enden, wenn ein Angriff auf unsere Sicherheit beginnt",
relativiert Snyder die einschneidenden Massnahmen der Bush-Regierung nach dem 11. September 2001:
"Es sind aufstrebende Tyrannen, die sagen, dass 'die bürgerlichen Freiheiten enden, wenn ein Angriff auf unsere Sicherheit beginnt.' Umgekehrt finden Führer, die die Rechtsstaatlichkeit bewahren wollen, andere Möglichkeiten, über echte terroristische Bedrohungen zu sprechen und sie werden sicher keine erfinden oder sie bewusst schlimmer machen."
 Snyder scheint dabei den, von der Bush-Regierung in einem Schnellverfahren und teilweise durch offene Erpressung der Abgeordneten der beiden Kammern des Us-Parlamentes durchgesetzten Patriot Act, völlig zu vergessen. Dieses Gesetz, das in nur drei Tagen durch beide Häuser des Parlaments (am 24 Oktober 2001 stimmte das Repräsentantenhaus, am 25. Oktober stimmte der der Senat zu) gepeitscht und von Bush unterschrieben wurde, grenzte die bürgerlichen Freiheiten der Menschen in wesentlichen Punkten ein und öffnete für die Überwachung von Wirtschaft, Politik und Presse weltweit Tür und Tor.
 So können die US-Geheimdienste NSA, CIA oder die Bundespolizei FBI ohne richterlichen Beschluss auf alle Server von Internet-Providern zugreifen. Davon sind nicht nur US-amerikanische Unternehmen betroffen, sondern auch die Tochterfirmen ausländischer Unternehmen, selbst wenn das nach Gesetzen ihrer Heimatländer verboten ist. Durch das von Edward Snowden der Öffentlichkeit bekannt gemachte Programm PRISM haben die US-Nachrichtendienste Zugriff auf alle Aktivitäten der Nutzer digitaler Medien. Dazu zählen E-Mails, Videokonferenzen, Chats und sogar sämtliche Telefongespräch in den USA und überall auf der Welt.
 Des weiteren erlaubt der Patriot-Act Hausdurchsuchungen ohne Wissen der betroffenen Personen, Konteneinsicht aller Bürger der USA und die CIA, eigentlich der Auslandsgeheimdienst der USA darf , ohne jede Kontrolle, auch im Inland ermitteln. Von den Behörden ausländischer Staaten verlangen die USA die persönlichen Daten aller in die USA einreisender Ausländer. Der Patriot-Act eröffnet den Us-amerikanischen Schnüfflern ausserdem nie gekannte Möglichkeiten zur Wirtschaftsspionage.
 Für Snyder sind das alles Peanuts:
"In dieser Hinsicht war die Reaktion der Bush-Regierung auf die Anschläge vom 11. September 2001 nicht so schrecklich wie sie hätten sein können."
 Er wischt die Einschränkungen der persönlichen Freiheiten, die Kriegsverbrechen der Bush- und später auch der Obama-Administration mit einem Federstrich vom Tisch:
"Unter dem Vorwand der Sicherheit, wurde der 9. 11. benutzt, um die ausgedehnte Expansion der NSA-Spionage und die Folter von ausländischen Inhaftierten zu rechtfertigen. Sie war auch der fadenscheinige Vorwand für die unbedachte Invasion des Irak, während der Hunderttausende von Menschen getötet wurden, der denTerrorismus im ganzen Nahen Osten verbreitete und der das amerikanische Jahrhundert beendet hat."
  Mit diesen Worten outet Snyder sich als ein, in der Wolle gefärbter, Rassist. Hunderttausende Tote des Irakkrieges werden von Snyder in einem Nebensatz auf die gleiche Bedeutungsebene mit dem Ende des amerikanischen Jahrhunderts gestellt. Was für eine Verspottung der Menschen, die Opfer US-amerikanischer Kriegsverbrechen geworden sind. Die anderen Opfer Bushs Krieg gegen den Terror, finden nicht einmal Erwähnung bei Snyder. Kein Wort zu den Opfern in Afghanistan, im Jemen oder im Sudan.
 Überall dort, wo die USA ihre Interessen gefährdet sahen, haben sie unter dem Vorwand den Terror zu bekämpfen die Menschenrechte mit Füssen getreten. Sie haben sich mit grausamen Diktatoren verbündet, wie in Saudi-Arabien oder Quatar, sie haben den Anbau von Drogen und Handel damit gefördert, sie haben Warlords finanziert und sie haben Staaten destabilisiert und in blutige Bürgerkriege gestürzt. Die Gesamtzahl der Todesopfer im Krieg gegen den Terror wurden vom "Bundewehr-Journal" im März 2015 bereits auf 1,3 Millionen geschätzt.
 Snyder sucht und findet Trost. Zumindest habe die Bush-Regierung nicht versucht, die Grundregeln des politischen Spiels in den Vereinigten Staaten zu ändern. Hätte sie es getan und es sei ihr gelungen:
 "Wir würden schon heute in einem postdemokratischen Land leben."
 Über 1,3 Millionen Tote, zum allergrössten Teil unschuldige, aber zum großen Glück Menschen islamischen Glaubens, für Snyder eine Petitesse, im Angesicht der Möglichkeit, dass "God's own Land" dank der Weitsicht und der Liebe zur Demokratie und den Menschenrechten eines George W. Bush, eines Dick Cheney und eines Donald Rumsfeld kein postdemokratisches Land geworden ist. Wie borniert muss man heutzutage sein, um in den Medien seine kruden Thesen verbreiten zu können.
 Dabei ruiniert Snyder seinen Ruf als seriöser Wissenschaftler, weil er die Geschichte verzerrt, verdreht und anstelle historischer Fakten seine propagandistische Sicht den Lesern als Wahrheit verkauft.
 Natürlich haben die Herren Kriegsverbrecher aus dem Weissen Haus und dem Pentagon den 11.9. 2001 zum Anlass genommen um aus den USA ein anderes Land zu machen. Jeremy Scahill schreibt in seinem Buch "Schmutzige Kriege - Amerikas geheime Kommandoaktionen, schon während des kurzen Feldzuges der US-Streitkräfte gegen die Taliban in Afghanistan,
"beschäftigten sich Cheney, Rumsfeld und ihre neokonservativen Stellvertreter eifrig mit den Planungen für einen weltweiten Krieg. Dieser sollte sich bis hinter die Heimatfront erstrecken und mit Telefonüberwachung ohne richterlichen Beschluss, mit Massenfestnahmen von arabischen, pakistanischen und anderen muslimischen Immigranten und einem ungeheueren Abbau der Bürgerrechte in den USA einhergehen."
Die Bush-Regierung tat also genau das, was Snyder den "aufstrebende(n) Tyrannen,"vorwirft,
" die sagen, dass 'die bürgerlichen Freiheiten enden, wenn ein Angriff auf unsere Sicherheit beginnt.' "
 Diese Einschränkungen der bürgerlichen Freiheiten, diese Orgien von Gewalt, deren hervorstechendsten Beispiele die Käfighaltung, der des Terror verdächtigen Muslimen, im Konzentrationslager von Guantanamo Bay, oder die Misshandlung von Häftlingen im Gefängnis von Abu Ghraib sind, waren keinesfalls spontane Reaktionen auf die Zerstörung der Twintowers durch Al-Quaida. Sie waren das Ergebnis langjähriger Planungen und, wenn man so will, "Vorsorgemassnahmen" für den Ernstfall.
 Schon im Jahr 1982 schreibt Milton Friedman, der Gottvater der Neokonservativen im Vorwort zu seinem Buch "Capitalism and Freedom":
"Nur eine Krise - tatsächlicher oder vermeintlicher Art - führt einen echten Wandel herbei. wenn diese Krise eintritt, hängen die Handlungen, die ergriffen werden, davon ab, welche Ideen zur Verfügung stehen. Das ist meiner Meinung nach unsere Grundaufgabe: Alternativen zur bestehenden Politik zu entwickeln, sie lebendig und verfügbar zu erhalten, bis das politisch Unmögliche zum politisch Unvermeidlichen wird."
 Jahre zuvor, an einem anderen 11. 9., im Jahr 1973 hatte die damalige Regierung der USA unter einem Präsidenten Richard Nixon und Henry Kissinger, zu diesem Zeitpunkt noch Sicherheitsberater Nixons, wenige Tage später, am 22. September dann zum US-Aussenminister befördert, unter Leitung der CIA den brutalen, blutigen Militärputsch gegen den gewählten Präsidenten Chiles, Salvador Allende, mit der Bombardierung des Präsidentenpalastes begonnen.
 In der Folge bekam Friedman mit seinen gelehrigen Schülern, den sogenannten Chicagoboys, die Möglichkeit seine Auffassung von Kapitalismus und Freiheit unter dem Diktator Augusto Pinochet umzusetzen. Als Pinochet am 11. März 1990 endlich durch einen Volksentscheid abgesetzt wurde, war die Wirtschaft des Landes ruiniert und die Zahl der Todesopfer ging in die Tausende. Selbst das US-Aussenministerium gab die Zahl mit 5.000 an und Amnesty International schätzte gar 5.000 bis 30.000 Menschen seien durch Folter, Willkür und Todesschwadronen ermordet worden.
 Rumsfeld,von dem sogar Richard Nixon 1971 sagte:
"Er ist ein skrupelloser kleiner Bastard. Da können sie sicher sein",
und Cheney waren gelehrige Schüler des Nobelpreisträgers für Wirtschaft und "Meister des Todes", Milton Friedman. So schreibt Naomi Klein in ihrem viel beachtetem Buch "Die Schock-Strategie" über die Freundschaft zwischen Friedman und Rumsfeld:
"Sie begann in den frühen sechziger Jahren, als er (Rumsfeld) Seminare am Economic's Department der University of Chicago besuchte. Er hatte besonders enge Beziehungen zu Milton Friedman geknüpft, der den jungen, erfolgreichen Republikaner unter seine Fittiche nahm, als der mit dreißig Jahren in den Kongress gewählt wurde. Friedman half ihm bei der Entwicklung eines kühnen, am freien Markt orientierten Programms und vermittelte ihm die wirtschaftstheoretischen Grundlagen. Die beiden Männer blieben einander auch in der Folgezeit eng verbunden.
...Die Bewunderung beruhte auf Gegenseitigkeit. Friedman war von Rumsfelds Engagement für eine Deregulierung der Märkte so beeindruckt, dass er Reagan heftig drängte, bei den Wahlen 1980 nicht George H. W. Bush, sondern Rumsfeld als Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten zu benennen..."
 Der Journalist John Scahill schreibt über George W. Bushs Vizepräsidenten Dick Cheney und seinen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld:
"Cheney und Rumsfeld waren jahrzehntelang Schlüsselfiguren einer militanten Bewegung außerhalb der Regierung und während der Amtszeit republikanischer Präsidenten auch innerhalb des Weißen Hauses gewesen. Ziel dieser Bewegung war es, die Exekutive mit einer beispiellosen Macht auszustatten, damit geheime Kriege geführt, verdeckte Operationen jenseits jeder Aufsicht organisiert und US- Bürger ausspioniert werden konnten. Ihrer Ansicht nach hatte der Kongress kein Recht, solche Operationen zu kontrollieren, sondern sollte nur für deren Finanzierung sorgen. Die Präsidentschaft stellten sie sich als eine Diktatur der nationalen Sicherheit vor, rechenschaftspflichtig ausschließlich der eigenen Auffassung davon, was für das Land das Beste sei."
 Es ist also durchaus keine Erfindung Putins, Erdogans oder seit neuestem Donald Trumps, die Demokratie mithilfe irgendwelcher Schocks zu beseitigen. Geraten Regierungen in Bedrängnis, so reagieren sie mit zum Teil regiegiden Massnahmen gegen Medien und drastischen Einschnitten in die bürgerlichen Freiheiten.
 Selbst der Leuchtturm der Demokratie, der Friedensnobelpreisträger, Barack Obama war nicht zimperlich, wenn er glaubte in Schwierigkeiten zu kommen. So verbot seine Regierung im August 2014 den Angehörigen der US-Streitkräften die Nutzung des Internetportals "The Intercept". Die von Glenn Greenwold,  Laura Poitras und Jeremy Scahill im Februar des gleichen Jahres ins Leben gerufene journalistische Webseite hatte sich am 23. Juli 2014 erdreistet, über die "March 2013 Watchlisting Guidance", ein 166 Seiten umfassendes Dokument kritisch zu berichten, dass die Regeln definiert unter der jemand auf die Haupt-Terroristen-Datenbank, sowie auf die No-Fly-List der Regierung kommt, sowie einer Liste "The Terrorist Screening Database" (TSDB) anhand derer ein verbessertes Screening von Personen an Flughäfen und den Grenzen der USA durchgeführt werden kann.
 Dabei wird die Definition, was eine terroristische Handlung ist, sehr weit gefasst. Es reicht demnach schon die Zerstörung staatlichen Eigentums, die Beschädigung von Geldautomaten oder die Gefährdung von privatem Eigentum. Für diejenigen, die auf eine der Listen geraten sind, hat das schwerwiegende Konsequenzen. Die Daten werden nämlich bei Bedarf an private Organisationen, an Strafverfolgungsbehörden und ausländischen Regierungen weitergegeben. So kann es schwierig werden einen neuen Job zu bekommen, zu reisen oder einfach nur, vor dem Gefängnis bewahrt zu werden.
Zwei Wochen später, am 5. August 2014 legte "The Intercept" noch einmal nach:
"Fast die Hälfte der Menschen, die auf der US-amerikanischen Regierungs-Datenbank terroristischer Verdächtiger stehen, sind nicht mit einer bekannten terroristischen Gruppe verbunden, das belegen die staatlichen Dokumente, die 'The Intercept' erhalten hat. 
 Von den 680.000 Menschen, die in der "Terrorist Screening Database" - einer Auflistung von 'bekannten oder vermuteten Terroristen', die mit lokalen Strafverfolgungsbehörden, privaten Organisationen und ausländische Regierungen geteilt wird - werden mehr als 40 Prozent von der Regierung, 'als keine anerkannte terroristische Gruppen zugehörig' eingestuft.' Diese Kategorie - 280.000 Menschen - übersteigt die Zahl der Personen, die verdächtigt wurden, Verbindungen zu Al-Qaida, Hamas und Hisbollah zu haben",
berichtet "The Intercept.
 Auch in diesem Fall führte eine Fastkatastophe zu einer eklatanten Verschärfung der Vorschriften. Im Jahr 2009 war es  einem Nigerianer fast gelungen in einer Passagiermaschine auf dem Flug von Amsterdam nach Detroit, eine Bombe, die er in seiner Unterwäsche versteckt hatte, zu zünden, obwohl er den Geheimdiensten bereits bekannt war.
  Niemand aber war 2014 auf die Idee gekommen, Obama bereite eine Diktatur in den Vereinigten Staaten vor, obwohl er mit der "March 2013 Watchlisting Guidance" eine Hexenjagd sondergleichen inszenierte. Hätten die Eliten nach dem 9.11. und später nicht ebenso hysterisch reagiert wie sie es zur Zeit wieder im Zusammenhang mit Donald Trump und der angeblichen russischen Gefahr tun, viele Freiheitsrechte wären nicht so dermassen eingeschränkt worden, und eventuelle oder vermeintliche zukünftige Gewaltherrscher hätten nicht heute schon die Instrumente, die sie brauchen um eine Diktatur zu errichten.